Kampf zwischen Hyrkan und Atistobulus. Einmischung der Römer unter Pompejus.
Hyrkan hatte nun freilich als Erbe das Anrecht auf die Regierung, wie ihm denn auch Alexandra vor ihrem Ableben noch das Szepter eingehändigt hatte, aber in Bezug auf die factische Macht und das Regierungstalent besaß Aristobulus einen großen Vorsprung. Der Zusammenstoß, der über die Herrschaft entscheiden sollte, geschah in der Gegend von Jericho, und hier ließen die meisten den Hyrkan im Stiche, um zu Aristobulus überzugehen, so dass der erstere mit den Leuten, die ihm noch geblieben waren, sich beeilen musste, noch vor dem Gegner die Antonia zu gewinnen und sich wenigstens der für sein Leben wichtigen Geiseln, der Frau des Aristobulus und seiner Kinder, zu bemächtigen. In der Tat verglichen sich auch die Brüder, ehe es zum Aeußersten kam, in der Weise, dass Aristobulus den Thron einnehmen, Hyrkan aber mit Verzichtleistung auf denselben alle jene Ehren empfangen sollte, auf die er als Bruder des Königs Anspruch hatte.
Unter diesen Bedingungen schlossen sie im Tempel miteinander Frieden, umarmten sich auf eine herzliche Weise im Angesichte des ganzen Volkes und wechselten gegenseitig ihre Behausung: Aristobulus hielt seinen Einzug in den Königspalast, Hyrkan aber zog sich in das frühere Haus des Aristobulus zurück.
Jetzt wurden alle Widersacher des Aristobulus, die an seinen Sieg nicht geglaubt hatten, ganz besonders Antipater, der dem König schon längst gründlich verhasst war, von Angst befallen. Antipater war ein gebürtiger Idumäer und vermöge seines alten Adels, seines Reichtums und seines sonstigen Einflusses die erste Persönlichkeit seiner Nation.
Dieser Mann suchte nun den Hyrkan zu bereden, zum arabischen König Aretas seine Zuflucht zu nehmen, um durch diesen den Thron wieder zurückzugewinnen, während er gleichzeitig auch auf Aretas in dem Sinne einzuwirken trachtete, dass er dem Hyrkan Aufnahme gewähren und die Rückkehr auf seinen Thron ermöglichen wolle. Diese Reden waren natürlich gespickt mit Ausfällen auf den Charakter des Aristobulus, wie mit Lobeshymnen auf Hyrkan. Antipater legte dem Aretas auch nahe, wie es für den Fürsten eines so ruhmvollen Reiches fast ein Gebot des Anstandes wäre, seine schirmende Hand über die Unterdrückten auszustrecken: ohne Zweifel gehöre aber Hyrkan zu diesen Unterdrückten, weil ihm die nach dem Erstgeburtsrecht zustehende Herrschaft gewaltsam entrissen worden sei.
Nachdem so Antipater beide zuvor in die entsprechende Verfassung versetzt hatte, nahm er in einer Nacht den Hyrkan mit sich auf die Flucht aus der Stadt und erreichte nach einem angestrengten Ritte die Stadt Petra, die Residenz des Arabers.
Hier übergab er den Hyrkan dem Schutze des Aretas und setzte es bei ihm nach langen und einschmeichelnden Besprechungen, die er durch zahlreiche gewinnende Präsente unterstützte, endlich durch, dass er dem Hyrkan ein Heer von 50.000 Streitern zu Fuß und zu Kameel zum Zwecke seiner Wiedereinsetzung beistellte. Einer solchen Macht war freilich Aristobulus nicht gewachsen: er unterlag gleich im ersten Treffen und ward nach Jerusalem zurückgedrängt.
Hier hätten sich wohl sicher die Gegner durch einen Sturm auf die Stadt seiner Person bemächtigt und so seinen weiteren Unternehmungen ein Ziel gesetzt, wenn nicht der römische Feldherr Scaurus einen Strich durch ihre günstige Rechnung gemacht und die Belagerung vereitelt hätte. Dieser war nämlich gerade um diese Zeit von Pompejus dem Großen, der damals gegen Tigranes im Felde stand, von Armenien nach Syrien gesandt worden und hatte, in Damaskus angekommen, das eben kurz zuvor von Metellus und Lollius weggenommen worden war, von den Ereignissen in Judäa Kunde erhalten, worauf er alsbald in eigener Person, da er den Unterfeldherrn schon eine andere Bestimmung gegeben hatte, nicht anders, als hätte er einen großen Schatz gefunden, dorthin aufbrach.
Bei seiner Ankunft im Lande waren sofort auch schon Gesandte von Seite der beiden Brüder zur Stelle, von denen jeder die Hilfe der Römer für sich haben wollte. Doch die 300 Talente, die von Aristobulus gekommen waren, stachen die Gerechtigkeit aus, indem Scaurus gleich nach Erhalt dieser Summe an Hyrkan und die Araber einen Herold abgehen ließ, der mit dem Zorne Roms und des Pompejus drohte, wenn sie nicht die Belagerung aufheben würden.
Auf das hin zog sich Aretas ganz bestürzt aus Judäa nach Philadelphia zurück, während auch Scaurus wieder auf Damaskus zurückging.
Aristobulus war jedoch nicht zufrieden, bloß der Gefangennahme entronnen zu sein, er nahm vielmehr jetzt seine ganze Macht zusammen und jagte damit seinen Feinden nach. Am sogenannten Papyronfluss stieß er auf sie und erschlug ihnen 6.000 Mann, darunter auch Phallion, den Bruder des Antipater.
Als sich nun Hyrkan und Antipater der Hilfe ihrer Freunde, der Araber, beraubt sahen, setzten sie jetzt umgekehrt ihr Vertrauen auf die Feinde und nahmen ihre Zuflucht zu Pompejus, der unterdessen in Syrien eingerückt und nach Damaskus gekommen war. Mit leeren Händen zwar, aber mit jenen guten Rechtsansprüchen, die sie schon dem Aretas dargelegt hatten, traten sie vor ihn und baten ihn flehentlich, das gewalttätige Vorgehen des Aristobulus zu cassieren und jenen auf den Thron zurückzubringen, welcher seiner Gesinnung und seinem Alter nach darauf gehöre.
Doch säumte auch Aristobulus nicht, ermutigt durch den gelungenen Bestechungsversuch mit Scaurus: auch er erschien persönlich, mit seinem prächtigsten Königsornate angetan. Da er sich aber für einen Bedienten des Römers zu hoch dünkte und nicht einmal seinen eigenen Wünschen um den Preis der Erniedrigung seiner königlichen Erscheinung dienen mochte, so reiste er über die Stadt Dium wieder zurück.
Das nahm ihm Pompejus sehr übel, und da auch die Partei des Hyrkan ihre Bitten verdoppelte, so setzte er sich an der Spitze des römischen Heeres und zahlreicher Hilfstruppen aus Syrien gegen Aristobulus in Bewegung.
Als er über Pella und Scythopolis nach Koreä gekommen war, wo man zum erstenmal auf eigentliches jüdisches Gebiet stößt, wenn man mitten durch Palästina nach Jerusalem hinaufzieht, vernahm er daselbst, dass sich Aristobulus nach Alexandrium, einer ganz prächtig ausgestatteten, auf einem hohen Berge gelegenen Veste, geflüchtet habe, und ließ ihm den Befehl zugehen, herabzusteigen.
Dieser herrischen Aufforderung gegenüber war Aristobulus schon geneigt, eher das äußerste zu wagen, als sich zu fügen; aber wie er andererseits sein Kriegsvolk von Angst ergriffen sah, und auch die Freunde ihm zuredeten, auf die bekanntlich unwiderstehliche Macht der Römer Rücksicht zu nehmen, gab er ihnen nach und kam zu Pompejus herab, um vor ihm eingehend den rechtmäßigen Besitz des Thrones von seiner Seite zu verteidigen und dann wieder auf die Festung zurückzukehren.
Von seinem Bruder eingeladen, begab er sich ein zweitesmal herab, um sich mit ihm über ihre Rechtsforderungen zu besprechen, und entfernte sich wieder, ohne von Pompejus behelligt zu werden. So zwischen Hoffnung und Furcht geteilt, stieg er das einemal herab, um durch diese demütige Haltung dem Pompejus die allseitige Gewährung seiner Wünsche abzuringen, bald ging er wieder auf die Veste zurück, als wollte er nicht den Schein auf sich lassen, dass er sich selbst vor der Zeit unmöglich mache.
Erst als ihm Pompejus befahl, die Festungen abzutreten, und ihn mit Gewalt dazu verhielt, den einzelnen Festungskommandanten die schriftliche Weisung zur Auslieferung zu geben, da nämlich dieselben den bestimmten Auftrag hatten, nur seinen eigenhändig geschriebenen Befehlen zu gehorchen, ging er voll Unmut, nachdem er noch dem erwähnten Zwange nachgegeben hatte, auf Jerusalem zurück und rüstete sich zum blutigen Widerstande gegen Pompejus.
Da ihm Pompejus natürlich für seine Rüstungen keine Zeit lassen wollte, so folgte er ihm auf der Stelle, und seine Unternehmungslust verstärkte noch der Tod des Mithradates, der ihm in der Gegend von Jericho gemeldet wurde. In diesem Landstrich befindet sich der fetteste Boden Judäas, der eine reiche Fülle von Palmen und Balsam hervorbringt. Letzteren gewinnt man dadurch, dass man den unteren Teil der Stämme an der Oberfläche mit scharfen Steinen aufritzt, worauf an den Schnittstellen der Balsam ausschwitzt.
Nachdem Pompejus an diesem Platze eine Nacht gelagert hatte, eilte er beim Morgenrot gegen Jerusalem hinauf. Von seinem Anmarsch eingeschüchtert, kam ihm Aristobulus gnadeflehend entgegen und beschwichtigte durch das Angebot von Geldsummen, wie auch durch die Zusicherung der Übergabe Jerusalems und seiner eigenen Person den Groll des Pompejus.
Er konnte jedoch nicht einen einzigen Punkt von seinen Versprechungen durchführen, da seine Parteigänger den zur Abholung des Geldes abgesandten Gabinius nicht einmal die Stadt betreten ließen.